1. Von Bindung und Freiheit.
    2. Von Gefühlen und deren Funktionen.
    3. Von Antreibern und Verhinderern.
    4. Von Führung und Bindung.
    5. Von Dominanz und Überfürsorglichkeit.

 

1. Von Bindung und Freiheit.

Begeistert von der Idee „Partnerschaft mit Bindung und Freiheit“ kommt sie ins Coaching. Wie kann das überhaupt gelebt werden? Vor anderthalb Jahren ist ihre Ehe gescheitert. Nach erstem Gefühl der Befreiung, kam der Schock! Schon wieder eine Beziehung, die in die Brüche gegangen ist. Vielleicht liegt es ja an ihr? Ist sie überhaupt dauerhaft bindungsfähig?Mit einem Rückblick auf ihre Kindheit wird ihr klar, dass sie in ihrer Partnerschaft versucht hat eine Rolle zu leben, die ihre persönlichen Bedürfnisse nicht erfüllte und sie auf Dauer sogar extrem unglücklich machte. Ihr liegt sie nicht, die Rollenverteilung „klassisch“. Eine Mutter, die das Nest hütet, ein Vater, der die Familie finanziell versorgt. Niemand hatte das von ihr verlangt. Sie hatte es sich auf Grund ihrer Familiengeschichte selbst auferlegt. Dadurch wollte sie ihren Traum der „perfekten Familie“ verwirklichen. Der Partner hatte es „wortlos“ angenommen. Bereits zwei Mal ist sie in diese Falle getappt. Sollte es je wieder eine Partnerschaft in Ihrem Leben geben, möchte sie es anders machen.

Wie sieht sie also aus, die Partnerschaft, die tatsächlich zu ihr passt? Frei von Mustern der Generationen und Erwartungen der Gesellschaft?Im Coaching wird ihr schnell klar, dass sie in Zukunft kein „wir immer im Doppelpack“ braucht. Jeder darf und muss seine Individualität leben und lieben. Diese Individualitäten ergänzen sich im Idealfall.

In der Nacharbeit zum Coaching schreibt sie in ein Büchlein auf, wie ihr zukünftiger Partner sein soll. Seine persönlichen Eigenschaften, Einstellungen, Beruf, Hobbys, Umstände um ihn herum. Sie erwähnt seine Lebenserfahrung und beschreibt ihn als Mann, der emotional stark ist, weiß was er kann und was er will. Er lebt und liebt sein Leben.Natürlich malt sie sich in ihren Gedanken auch aus, wie er aussehen soll. Viel größer als sie, sportlich, muskulös, dunkel und südländisch. Auf keinen Fall ein typisch Deutscher. Ja, so stellt sie sich ihren zukünftigen Traummann vor. Zufrieden legt sie das Buch beiseite.
Eines Tages stand er da. Aschblond, blauäugig und deutsch. Kaum zu fassen! Von der ersten Minute an verspürte sie das Gefühl: Das ist er!

Sie kommt ins nächste Coaching mit dem Ziel…
2. Von Gefühlen und deren Funktionen.

In dieses Coaching kommt sie mit dem Ziel, ihre Wut loszuwerden. Wut auf ihren Ex-Mann. Immer wieder steigt sie in ihr hoch. Sie macht ihn zum großen Teil verantwortlich, dass ihre Ehe gescheitert ist. Ihren zehnjahrelangen Versuch an der Beziehung zu arbeiten, hatte er nicht wertgeschätzt und selbst nicht daran arbeiten wollen. Jetzt hat er eine andere. Ihre Wut und Ärger darüber macht sie rasend.

Zum Thema werden daher Gefühle und deren wertvolle Funktion. Sie erkennt dabei, dass ihr Ärger nicht zum gewünschten Ziel „Loslassen“ führen kann. Ärger hat etwas anderes zum Ziel. Ärger beabsichtigt Veränderung. Das steht aber in diesem Fall gar nicht mehr an. Ihre Trennung ist Fakt. Da gibt es nichts mehr zu verändern. Will sie auch nicht mehr. Ihr wird klar, dass in diesem Fall Trauer das „richtige“ und angemessene Gefühl wäre. Trauer würde das Loslassen ermöglichen.

Als sie von den sogenannten Ersatzgefühlen erfährt, identifiziert sie ihre Ersatzgefühle rasch. Es sind „Wut und Ärger“. Für alle anderen Gefühle, die einer unerwünschten Situation angemessen wären, wählt sie stellvertretend „Wut und Ärger“. Der Hintergrund dafür ist, dass in ihrer Kernfamilie auf ungeliebte Situationen meistens mit „Wut“ reagiert wurde. So wählt sie auch heute noch unbewusst, „Wut und Ärger“ als Mittel zum Ziel. Obwohl sie nicht zum gewünschten Ziel führen. Und eher sogar kontraproduktiv sind.

Im Coaching bekommt sie eine Technik an die Hand, mit der sie ihre Ersatzgefühle drosseln lernt. Sie wendet diese Methode immer dann an, wenn ihr Autopilot von Ersatzgefühlen das Kommando übernehmen möchte.

Mein Literatur-Tipp: Bitte klopfen! Anleitung zur emotionalen Selbsthilfe

Um sich noch bewusster zu werden, notiert sie die Situationen und wie sie stattdessen reagieren möchte.Auf die Frage, was aus dem „Deutschen“ geworden ist, meinte sie nur, zurzeit seien doch noch nicht alle relevanten Aspekte erfüllt, um sagen zu können: „Das ist er.“

Ins nächste Coaching kommt Sie mit dem Ziel…

3. Von Antreibern und Verhinderern.

Ins nächste Coaching kommt sie mit dem Ziel, mehr für sich einstehen zu wollen. Sie übernimmt in der Arbeit zu viele Aufgaben, die andere eigentlich auch erledigen könnten. Ständig schafft sie Überstunden. Sie möchte auch endlich mal „NEIN“ sagen können. Andere können das doch auch. Immer sagt sie zu allem Ja und Amen.Nach einigen Fragen und ihren Antworten, die ihr persönliches Verhalten und Gedanken betreffen, überrascht sie, welchen Anteil sie selbst hat, dass sie so viele Aufgaben erledigen muss. Shocking! Ihre Überfürsorglichkeit, anderen gerne Arbeit abzunehmen, drängt andere sogar in die ungewollte „Ausbeuter-Rolle“. Oha?!

Ihr persönlicher Antreiber ist daran beteiligt. „Mach es allen recht!“ Früh in ihrer Kindheit antrainiert, sorgt er dafür, eher die Wünsche anderer zu erfüllen als die eigenen. Der Anerkennungs-Mindfuck: „Ich bin nur OK, wenn ich es anderen recht mache!“ wird zum Verhinderer. Er verhindert, anderen Aufgaben zu überlassen und ein erwachsenes „NEIN“ zu äußern.

Mit den neuen Erkenntnissen zu den Folgen des Antreibers und welche Vor- und Nachteile sie damit hat, lassen sie eine neue Mission mit nach Hause nehmen. Sie wird ein wachsames Auge haben und aufschreiben, wer es wie schafft, dass sie wieder unter Autopilot „bedienen“ möchte. Sie findet es sehr spannend, sich immer mehr bewusst zu machen. Diesem Thema möchte sie unbedingt noch weitere Coachingstunden widmen.

Am Ende des Coachings kommt die Frage auf, ob sie sich noch mit dem Deutschen trifft, der ihre Augen zum Leuchten gebracht hat. Dazu meint sie: „Es braucht manchmal etwas Geduld, bis persönliche Situationen und Befindlichkeiten zueinander passen.“

Ins nächste Coaching kommt sie mit dem Ziel…

 

4. Von Führung und Bindung.

Dieses Coaching will sie unbedingt ihrer Rolle als Führungskraft widmen. Sie hat die Befürchtung, dass in ihrem Team etwas schief läuft. Abgabetermine werden nicht eingehalten. Immer öfter steht sie beim Kunden unter Beschuss. Ärgerlich! Sie stellt die Frage: Was kann ich tun?

Nach der Analyse Ihres Bindungsverhaltens erkennt sie, dass sie es bislang versäumt hat, eine effektive Bindung zu den Mitarbeitern aufzubauen. Sie haben kein Vertrauen und melden nicht, wenn Probleme auftreten. Deswegen kommt es zu erheblichen Verzögerungen.

Sie enthüllt die Realität. „Dienst nach Vorschrift“ stellt keine Bindung zu Mitarbeitern her. Künftig möchte sie mit ihrem Team mehr am emotionalen Engagement für Ziele arbeiten. Ein ausschließlich respektvoller Dialog soll alle ermuntern Fragen zu stellen. Unbedingt will sie Sorge dafür tragen, dass sich eine Fehlertoleranz im gesamten Team etabliert. Angst und Bedrohung möchte sie in die Bereitschaft umlenken, Neues auszuprobieren und eventuell sogar auch mal Risiko einzugehen, Fehler oder Unwissenheit zu zugeben.

Sie ist überzeugt. Eine stärkere Bindung zu Mitarbeitern beeinflusst die Einhaltung von Abgabeterminen positiv. In der Nachbereitung bereitet sie das nächste Teammeeting vor. Sie freut sich, diesen „neuen Wind“ ins Team zu bringen und ist gespannt, wie es ankommt.

Die Frage, ob ihr momentanes Bindungsverhalten und das des Deutschen zu einander passen könnten, beantwortet sie mit einem entschiedenen:
„NEIN! Aber, es ist noch nicht aller Tage Abend!“

Ins nächste Coaching kommt sie mit dem Ziel…

 

5. Von Dominanz und Überfürsorglichkeit.

Verzweifelt kommt sie ins Coaching. Immer wieder wird ihr vorgeworfen, dass sie bevormundet und immer alles besser weiß. Wenn sie genauer darüber nachdenkt, passiert ihr das schon ihr ganzes Leben lang. „Ich meine es doch nur gut und helfe einfach gerne.“ Daher lautet das Thema: Wieso fühlen sich die anderen dadurch angegriffen?

Das Erklärungsmodell der Transaktionsanalyse verschafft Verständnis, was ihr Verhalten bei anderen auslöst. Es scheint so zu sein, dass Ihre Überfürsorglichkeit den Eindruck vermittelt, dass sie anderen nichts zutraut. Einige ihrer Äußerungen kommen zudem auch noch aus ihrem verinnerlichten Kritiker. Der Teil in ihr, der sich meistens auf das Negative konzentriert und andere auch gerne zur Anpassung zwingt. Hoppla! Ja klar, das mag niemand. Ein erhobener Zeigefinger erinnert eher an die eigene Kindheit. Vorschriften und Zurechtweisungen ohne Augenhöhe.

„Hilfe, ich höre mich an wie mein Vater!“ Dominant und dauernd kritisierend. Nein, das darf nicht so bleiben. Sie möchte lieber an die Potentiale anderer glauben und angemessene Unterstützung bieten. Auf dem Whiteboard definiert Sie energieraubendes und energiespendendes zwischenmenschliches Verhalten.

Als Nacharbeit zum Coaching nimmt sie das Bild vom Whiteboard, um Situationen vorzubereiten und hinterher zu analysieren.

Am Ende des Coachings meint sie: „Gut, dass das mit mir und dem Deutschen noch nichts geworden ist. Mit meinem bisherigen Verhalten hätte eine neue Beziehung keine Chance gehabt.“

Ins nächste Coaching kommt sie mit dem Ziel…

Fortsetzung folg!